Die vielleicht letzte Rentenerhöhung?

Rentnerpaar sitzt auf einer Bank
Christian Geier
14. März 2025

Die vielleicht letzte Rentenerhöhung und die erste Zahlungsunfähige Pflegekasse und was das auch für Selbständige bedeutet

Die gesetzliche Sozialversicherung ist zweifellos eine der großen Errungenschaften unserer Zeit.

Als Finanzberater/in kommt man sich beizeiten richtig schlecht vor, wenn wir diese staatlichen Einrichtungen in Frage stellen. Die Frage um die es geht: Wird die gesetzliche Sozialversicherung in der Lage sein, Bürgerinnen und Bürger in Deutschland hinreichend zu versorgen? Oft wird uns genau dann, wenn wir so eine Institurion hinterfragen, unterstellt, dass wir doch nur unsere – privaten – Versicherungen verkaufen wollten.

Hände auf den Tisch: Ja, die Schwäche der Sozialsysteme ist für uns eine Chance. Oder drastischer formuliert: Ohne unsere Beratung und Produkte steuern viele Menschen hierzulande auf eine Katastrophe zu!

Nur leere Worte? Auf keinen Fall: Ich will zwei aktuelle Ereignisse als Beweise anführen, an denen man festmachen kann, wie sehr sich die Lage zuspitzt.

Die vielleicht letzte Rentenerhöhung zum 01.07.2025

Im Sommer steigen die Bezüge der deutschen Rentnerinnen und Rentner um satte 3,74%. Das liegt deutlich über der Inflationsrate.

Deshalb hat Arbeitsminister Hubertus Heil diese Erhöhung nicht ohne Stolz verkündet. Dass das so ist, wie es ist, hängt mit einer Regelung zusammen, die 2021 von der Großen Koalition verkündet wurde: Das Rentenniveau bleibt bei 48% (Basis: 45 Jahre Durchschnittseinkommen vor Steuer) und der Beitragssatz darf 20% nicht übersteigen.

Diese beiden Garantien hätte die SPD gerne im Rentenpaket II bis 2039 verlängert . Wohlgemerkt „hätte“, denn das Scheitern der Ampel hat diese Verlängerung verhindert.

Im Sondierungspapier von Union und SPD steht aktuell (03-2025) vage:

„Das aktuelle Rentenniveau soll langfristig stabilisiert werden, um die Alterssicherung für alle Generationen auf eine solide Basis zu stellen.“

Alle Experten gehen davon aus, dass es aufgrund der aktuellen Lage der Sozialsysteme keine Rückkehr zur alten Rentenformel geben wird, denn fast 20 Millionen heute noch erwerbstätige Menschen gehen in den nächsten 10 Jahren in Rente, nur 12 Mio. rücken nach.

Diese Rentenformel besagt eigentlich, dass Belastungen gleichmäßig auf Beitragszahler, Steuerzahler und Rentner verteilt werden.  Dann würde schon in drei Jahren der Beitragssatz auf 19,9% steigen und das Rentenniveau zu sinken beginnen bis auf 45% nur sieben Jahre später (das betrifft die heute 53- bis 57-jährigen). Selbst das wäre nur machbar, wenn auch die Steuerzuschüsse nach oben gehen, sonst wird es sogar noch drastischer. Im Durchschnitt wird die gesetzliche Rente bei (kaufkraftbereinigt) etwa 1.000 € im Monat liegen.

Kurz gefasst: Die Rentenerhöhung zum 1. Juli wird nach menschlichem Ermessen die letzte auf mindestens ein Jahrzehnt hinaus gewesen sein. Das hat übrigens keiner der Verantwortlichen so gesagt.

Pleite der ersten Pflegekasse

Die Pflegekasse der Sozialversicherung Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) ist pleite. Was vor ein paar Wochen noch nach der Schlagzeile aus einer Zeitung mit vier großen Buchstaben klang, ist  inzwischen Realität. 

Trotzdem hält sich der Aufschrei in Grenzen: Es gibt ja glücklicherweise einen Ausgleichsfonds, welcher der SVLFG das notwendige Geld zuschießen wird. Man sollte aber schon weiter deklinieren: Kommen noch mehr Pflegekassen in Bedrängnis – und danach sieht es aus – kommt es zu einem Dominoeffekt, der den Ausgleichsfonds implodieren lässt. 

Für diesen Fall gibt es zwei Hebel, die man beide wird betätigen müssen: Höhere Beiträge spätestens ab 01.01.2026 (Anmerkung des Autors: Das kann man eigentlich als gegeben hinnehmen) und höhere Steuermittel. Beides zusammen wird dann, wenn überhaupt, gerade reichen, um die Basisversorgung zu sichern. Wie lange das noch gutgeht, darüber kann man seriös keine Aussage treffen, verlassen würde ich mich aber nicht mehr darauf.

Und nun?

Auch wenn ich immer beklage, dass solche Themen viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, so ist das doch auch verständlich. Zum einen können wir es nicht mehr hören, zum anderen schlägt die Gegenwartspräferenz voll zu. Deswegen geht es eben nicht darum, „einfach nur private Versicherungen zu verkaufen“.

Es ist schlicht unsere Aufgabe, unsere Kundinnen und Kunden während unserer Beratungsgespräche in diese Welt jetzt zu begleiten und in ihre individuelle Situation der Zukunft zu versetzen. Wir sind schlicht die Experten für das lange Ende.

Warum auch selbständig arbeitende Menschen mit Schwerpunkt Gesundheit sich einen Überblick verschaffen sollten?

Zwei Dinge: Zum einen kennen wir Menschen, die sich auf „Papa Staat“ verlassen und Papa Staat hat gerade eine deftige Grippe die sich noch ganz schön lange hinziehen kann. Umso mehr Menschen von diesem Umstand wissen, umso besser können Sie sich auf ihren Ruhestand vorbereiten.

Zum anderen ist unser Sozialsystem in Deutschland eng miteinander verflochten und wenn hier ein Dominostein kippt, kann das schnell eine Kettenreaktion verursachen. Der Merkur fasst dieses Thema sehr gut im oben verlinkten Artikel zusammen:

Experten warnen schon seit Jahren vor Dominoeffekten oder sogar einem Kollaps des Systems. Dennoch lässt sich das Ausmaß pro Kasse nur schwer beziffern. Die Gesamtbetrachtung lässt jedoch tief blicken: Laut Berechnungen der DAK droht den Pflegekassen für 2024 ein Minus von 1,54 Milliarden Euro […] DAK-Vorsitzender Andreas Storm hatte bereits Anfang des Jahres angezweifelt, ob einige Pflegekassen im März überhaupt noch liquide seien. Auch der Vize-Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, Jens Martin Hoyer, hält gar weitere Hilfsanträge für wahrscheinlich. Zumal der Ausgleichsfonds nahezu erschöpft ist: 2023 war er noch mit sieben Milliarden Euro gefüllt […]

Die ganze Thematik ist komplex und lässt sich nicht ohne Weiteres durch- und überblicken. Genau darum will ich darüber informieren, aufklären und auf Wunsch gerne auch dazu beraten. Einen Termin gibt’s jederzeit.

FAQ

Wissenswertes zum Thema Rentenerhöhung:

Was ist die SVLFG

Die SVLFG ist ein Verbund aus landwirtschaftlicher Berufsgenossenschaft, Landwirtschaftlicher Alterskasse, Landwirtschaftlicher Krankenkasse und Landwirtschaftlicher Pflegekasse. Damit erbringt die SVLFG alle Leistungen aus einer Hand. Um dieses Leistungsspektrum zu erfüllen, vereint sie Unfall-, Kranken-, Pflegeversicherung und Alterssicherung. Der Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung des agrarsozialen Sicherungssystems.

Was ist das Rentenpaket II

Schwerpunkt des ursprünglichen Gesetzesentwurfs „Rentenpaket II“ wäre die Sicherung des Rentenniveaus, die Schaffung eines Generationenkapitals sowie eine Nachhaltigkeitsrücklage gewesen. Damit sollte erreicht werden, dass das Rentenniveau auch über 2040 hinaus bei 48% bleibt.

Mit dem „Generationenkapital“ hätte ein Baustein für die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung geschaffen werden sollen, dass vor allem den demografischen Veränderungen in Deutschland Rechnung trägt.

Wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf seiner Website schreibt (Stand: 03-2025), „kann [das Rentenpaket II] in dieser Legislaturperiode nicht mehr abgeschlossen werden“. Ob sich das nach den Neuwahlen 2025 noch ändert, darf in Frage gestellt werden.

Bildnachweis: CCO, pixabay

Red mit!

Hast du einen Kommentar zu "Die vielleicht letzte Rentenerhöhung?"?

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte dich auch interessieren!

Mehr zu: Absicherung · Finanzen

Beratung von Expert/innen: Ab Tag Eins!

Beratung von Expert/innen: Ab Tag Eins!

Die Idee, sich mit eigener Praxis, eigener Geschäftsidee oder einem lokalen Geschäft selbständig zumachen, kann beflügeln. Experten/innen können von Anfang an wichtigen Input liefern und helfen, Fehler zu vermeiden.

Gut verdient? Glückwunsch! Aber die Steuer…?

Gut verdient? Glückwunsch! Aber die Steuer…?

3 Tipps für eine Last-Minute-Steuer­gestaltung Es gibt Menschen, die haben in diesem Jahr gut verdient und registrieren das erst so wirklich, wenn das Jahr sich dem Ende neigt. Dann leider gleichzeitig mit der Erkenntnis, dass dasmit auch das Finanzamt umfangreicher...

w

Prima!

Ich finde es großartig, dass Sie Ihre Finanz- und Versicherungsthemen anpacken wollen. Gerne bin ich persönlich für Ihre Fragen da. Schicken Sie mir einfach Ihre Daten und wir vereinbaren eine Kennenlernen.

Kontakt, Basis

Hinweis zum Datenschutz: Bitte beachten Sie, dass Ihre Daten gespeichert und verarbeitet werden, um Ihr Anliegen beantworten zu können. Die rechtliche Grundlage ist DSGVO, Art. 6 (1) c), weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.